Änderungen.

Änderungen sind prinzipiell etwas Gutes finde ich. Wenn sie auch manches Mal schwerfallen.
Diese neue Änderung, die ansteht, fällt mir zu großen Teilen gar nicht schwer.

T sucht einen neuen Job.
Und dafür werden wir umziehen.

Es war Nürnberg im Gespräch, die sind aber mittlerweile wieder raus. Schade, das war mein Favorit.

Nun stehen noch Wiesbaden und München zur Debatte. Wiesbaden und München. Mh.

Erstmal hatte ich zu Wiesbaden gar keine Meinung. Deswegen fuhr ich mit zum ersten Gespräch im Unternehmen. Und sah mir Wiesbaden an. Und es gefiel mir gut.
Die Menschen waren total freundlich und offen, in der Stadt gab es viele kleine Geschäfte, der Wohnraum rundum ist ganz passabel bezahlbar, es gibt eine internationale Schule (irgendwann soll es ja mal Kinder geben) und viele englischsprachige Menschen, schöne Umgebung, mehrere Städte rundum was ganz gut ist für meinen Job, ja, das könnte mir gefallen. Und es gefällt mir, dass ich in Wiesbaden und näherer Umgebung niemanden kenne. Es wäre ein Neuanfang. Mit T alleine nochmal von vorn. Eine gute Vorstellung.

München. Zu München habe ich eine Meinung. Und die ist nicht schlecht. Aber auch nicht sonderlich gut. Die Parkplatzsituation ist grauselig, Einbahnstraßen ohne Ende, ein elitäres Gehabe der Menschen dort, Wohnraum viel viel viel zu teuer, Umgebung mag ich nicht besonders, viele Menschen auf einen Haufen sind gut für meinen Job – immerhin. Aber Ich kenne Menschen in München, Teile meiner Verwandtschaft (die nix von mir wissen will) wohnt in München, unser bescheuerter Hochzeitsfotograf ist aus München, viele geschäftliche Kontakte sind aus München… und irgendwie will ich da nicht hin in die Umgebung all dieser Menschen. Mal für ein Wochenende, ja… aber mehr? Nee, eigentlich nicht.

Heute war T in München für das zweite Gespräch. Er kam begeistert heraus, genau sein Job.
Nächsten Dienstag ist T in Wiesbaden für das zweite Gespräch. Ich hoffe, er kommt begeistert heraus.

Aber egal für was sich die Unternehmen und er entscheiden (der Job in München muss echt supercool sein)… ich hab versprochen mit ihm ans Ende der Welt zu gehen. Und das mache ich auch.

Aber die eine Änderung würde mir weniger schwerfallen als die andere.

und ich hab gedacht…

… ich bilde mir das nur ein. wieso bin ich nie früher auf die idee gekommen, mal nach alten fotos zu suchen?!

das hier ist meine augenbraue vor ca. zwei jahren. das ist nach meiner erste schilddrüseneskalation. da kann man den haarausfall am haaransatz bereits erahnen
augenbraue1

und das hier habe ich vor wenigen minuten aufgenommen.

augenbraue2

Und ich doofe Kuh war mir nicht sicher und hab mir eingeredet ich würde mir das nur einbilden! Ich bin echt fassungslos.

Es liegt gar nicht an mir!

Ihr wisst ja, mein Junggesellinnenabschied war ein Desaster. Seitdem ging irgendwie alles bergab.

- ich redete mit kaum jemandem mehr
- ich war extrem reizbar
- ich hatte Angst
- ich bekam Panikattacken
- ich hatte häufiger Herzrasen, schwitzte viel
- ich konnte überhaupt nicht schlafen. Und wenn, dann nur mit Alpträumen.

Das konnte ich alles wunderbar auf den Junggesellinnenabschied und die Hochzeit schieben.

Zur Hochzeit ließ ich mir eine Wimpernverlängerung machen, war vorher oft bei der Kosmetik und verhätschelte meine Haare. Ich wunderte mich noch, dass die Wimpernverlängerung nicht mal zwei Wochen hielt, aber hey, schlechte Arbeit wahrscheinlich. Meine Wimpern sehen seitdem aus wie Sau, ich dachte, dass das an der Verlängerung liegt.
Ich wunderte mich auch ein wenig darüber, wie viele Haare ich verlor und dass meine Haare nicht mehr so toll waren. Und ich wunderte mich über irgendwie andere Augenbrauen als früher, konnte aber nicht mal erklären woran das lag. Haare verändern sich nun mal, oder? Wahrscheinlich bildete ich mir die Geheimratsecken und den lichten Haaransatz nur ein, wer weiß das schon so genau, wie die mal beschaffen waren?!

Ich wunderte mich nicht mal wirklich, dass ich meine Regel zu früh kriegte, das kann bei Stress schließlich mal sein.

Das kann ja alles mal sein und ich stell mich eh an wie ein Hypochonder oder sowas. Deswegen sagte ich Niemandem Etwas. Auch nicht, als mein Hunger immer schlimmer und schlimmer wurde und ich seit August mal eben fast 20kg zunahm, oder als ich zuletzt wirklich nur noch an Essen denken konnte.

Ich hab gedacht, ich reagiere über, ich bilde mir das ein, ich stelle mich an. Ich müssen mich einfach wieder in den Griff bekommen.

Und dann brauchte ich neue Tabletten für die Schilddrüse und hab gedacht, dass ich dann ja auch mal fragen könne, ob wir mal schauen, ob die Medikation noch stimmt, weil ich so Hunger habe.

Und was fragte mein Arzt?
- Haben Sie Angst? (und wie. vor allem und jedem, sogar, wenn sich meine freunde untereinander unterhalten)
- Schwitzen Sie viel? (oh ja, aber ich rasiere mich auch nicht so regelmäßig wie sonst und hab zugenommen)
- Haben Sie Herzrasen? (ich bin dick, klar hab ich herzsrasen)
- Sind sie reizbarer als sonst? (hey, ich hab nicht nur ein trauma und würd am liebsten alles zusammenschlagen manchmal)
- Haben Sie Veränderungen an den Haaren gemerkt, Haarausfall zum Beispiel? (öhm, ja, ich hab geheimratsecken, einen lichten haaransatz und viele so kleine abstehende neue haare, das hat mich schon gewundert, ja)
- Haben Sie Schlafstörungen? (ich hab quasi seit August nicht mehr ordentlich geschlafen, ja.)
- Werden Sie satt wenn Sie essen? (nein.)
- Irgendwelche Menstruationsbeschwerden? (zu früh, mit heftigen Schmerzen und Fieber verbunden)
- Haben Sie Gelenkschmerzen? (Hab ich doch schon seit Jahren wegen der geschäftigten Nerven, ja.)

Irgendwie fiel es mir fast wie Schuppen von den Augen. Hier stimmte irgendwas ganz und gar nicht. UND ES LIEGT GAR NICHT AN MIR!!!!!!

Es scheint ganz einfach so, wie mein Arzt mir dann erklärte:
Ein Trauma, was mein JGA wohl war, kann eine Schilddrüsenüberfunktion verstärken. Und die kann widerum das Trauma verstärken durch die Symptome.

Ich bin überhaupt nicht Schuld. Ich stelle mich nicht nur an. Ich reagiere nicht über. Meine Beobachtungen sind gar nicht falsch!

So ist das wohl, wenn man sich selbst nicht vertraut. Meine Güte, ES LIEGT GAR NICHT AN MIR!!!

Es wurde jetzt die Dosis meiner Schilddrüsentabletten erhöht, mein Hausarzt hat mich aber vorgewarnt, dass es sein kann, dass man gegen meine Schilddrüse was Definitives unternehmen muss. Das hieße entweder OP oder eine Radiojodtherapie. Die OP kommt in meinem Job nicht in Frage, weil da die Stimmbänder zu nah dran sind, also wäre es die Radiojodtherapie. Meinetwegen. Damit kann ich leben. Und schwanger werden wollt ich im nächsten halben Jahr eh nicht.

ES LIEGT GAR NICHT AN MIR!!!

P. 3

Freitag 19.00Uhr, Ende der erlaubten täglichen Kontaktzeit nachdem ich seit dem Vormittag nichts mehr gehört hatte.

Ich: Da ich auf die Frage, wie der Kontakt am Wochenende geregelt ist, keine Antwort bekam, meld ich mich erst wieder, wenn du dich meldest oder Montag nach sechs. Hab ein schönes Wochenende.
P: Bin schon auf dem verschneiten Zeltplatz… :) Ich meld mich spätestens Sonntag… :)

Montag 6.30Uhr, nach Beginn der erlaubten Kontaktzeit.

Ich: Guten Morgen!
P: Einen wunderschönen guten Morgen schöne Frau ;)
Ich: Was fällt dir wohl auf, wenn du deine letzte SMS an mich liest? Ich hoffe, es gibt eienn triftigen aber nicht furchtbaren Grund, dass Montag der neue Sonntag ist ;) Klappt heute Abend und wenn ja, anvisierte Uhrzeit? Muss meinen Tag planen.
P: Was mir auffallen soll? Die Uhrzeit :) Warum ist Montag der neue Sonntag? Heute Abend muss ich erst abklären wie lange ich arbeiten muss und wie es mir geht – bin noch etwas arg mitgenommen vom Wochenende. aber bis Mittag weißt du Bescheid… :)
Ich: Du wolltest dich spätestens Sonntag melden. Da du dich erst heute meldest, scheint also Sonntag zu sein. Dann geh ich erstmal davon aus, dass wir uns nicht sehen heute Abend, dann kannst du mich positiv überraschen und wenn es nicht klappt bin ich vielleicht nicht ganz so traurig.

*grummelrummotzsauerundentttäuschtundtraurigguck*

Zeiten der Angst.

Es gibt Zeiten, da hat man Angst. Immer. Zu jeder Sekunde des Tages. Es ist, als würde Jemand hinter dir stehen. Und unaufhaltsam die Schrauben in deinem Nacken ansehen. Dich beobachten. Er verhält sich ruhig. Bis, ja bis du das Haus verlässt.
Dann steht er hinter jedem Baum, hinter jeder Ecke, in jedem Knacken, sieht dich an, läuft auf dich zu, schnürrt dir die Luft ab, packt die Schrauben Schrauben, dein Kopf dreht sich um sich selbst, dir wird schwindelig, deine Beine weich, du musst dich übergeben und du fällst.

Fällst.

In die Angst, die dich gerade so am leben hält.

Gerade so.

Geträumt von ihr.

Ich hab geträumt von ihr. Letzte Nacht.

Sie stand vor der Tür der Menschen zu denen ich flüchtete. Die für mich da waren. Dabei war es ganz deutlich. SIE brauchte Jemanden, der für sie da ist. Sie stand da, mit kurzen Haaren bei denen ich mich fragte, wieso sie das getan hatte. Und sie sah irgendwie verloren aus, als ob ihr etwas fehlen würde. Als ob es ihr gar nicht gut geht. Und sie nicht wisse, wie es weitergehen soll.

Was war da bloß passiert?

Ist alles okay bei dir?

X

Der Schwabe. Der Aufpasser.

Ihr erinnert Euch? Ich hab vor zwei Beiträgen geschrieben, dass N (der Schwabe/Aufpasser) einfach nicht gingt. Wegen des Dialekts. Wegen des wahnsinnig breiten Dialekts. Und wegen der Stimme und der Augen. Da kribbelte einfach gar nichts.

Aber eines muss man ihm lassen: Ich sagte ganz klar, dass es nicht funktionieren würde, dass es nicht passt. Und er kämpft.
Er ist für mich da, er rennt mir hinterher im positivsten Sinne, kontrolliert ob ich esse, trinke, mir Gutes tue, ist für mich da, wenn es mir schlecht geht (und wir wissen, das tut es im Moment öfter), er tut im Moment sehr sehr viel für mich.

Daraus resultierte ein Deal: Er ist weiter für mich da, dafür haben wir noch ein Date. Mit Augenbinde und Musik für mich, so dass ich ihn weder höre noch sehe.

Und genau dieses Date hatten wir vor zwei Tagen.
Um 16Uhr ging es los, ich hübschte mich an, brachte die Tasche mit den Seilen die zu Hause war ins Büro, schubste mir einen Plug in den Hintern und lief strammen Schrittes zum Bahnhof. Bahnhof.
Aber das hat einwandfrei funktioniert. Und kaum am Bahnhof und dort im Bus war ich auch schon furchtbar geil. Schlimm! Und trotzdem dachte ich noch, das Date sei eine falsche Entscheidung. Ja, er ist für mich da, ja, aber er hatte mich beim ersten Date unbedacht mit Spucke in Berührung gebracht (was ein furchtbarer Trigger, also Auslöser von Erinnerungen ist) und wirklich kaum angemacht… niedere Instinkte durch Schmerzen ja, aber emotional, null. Wollte ich dieses Date?
Nein, eigentlich wollte ich es nicht. Aber wer einen Deal macht, muss auch dazu stehen. Basta.

Ich war also auf dem Weg. Wohin? Zu einem Businessevent mit lauter Frauen. Dort angekommen begrüßte ich gute Geschäftskontakte, tat so, als könne mich kein Wässerchen trüben und stand ganz meine souveräne Geschäftsfrau. Mit dem Plug im Hintern.

Punkt acht verließ ich die Veranstaltung. Auf die Sekunde. Und N. wartete vor der Tür auf mich um mich abzuholen (ich geh ja im Dunkeln nicht freiwillig raus derzeit). Er war ebenfalls extrem pünktlich. Ganz der pflichtbewusste Security-Mann. Wortlos nahm er mich in Empfang, wir umarmten uns und liefen los. Wortlos. Ich knickte mitten auf der Straße um und strauchelte, er fing mich knapp vor dem Boden auf nd reichte mir danach den Arm, damit das nicht nochmal passiert. Ich beruhigte mich sichtlich. Ja, ich war aufgeregt… aber irgendwie war es okay. Ich redete nervös vor mich hin, aber ja, irgendwie war es okay.

An seinem Auto angekommen fuhren wir in Richtung zu Hause. Und es erregte mich sichtlich (nachdem ich ja schon stundenlang mit dem Plug rumgelaufen war), dass er seine Hand auf mein Knie legte. Mehr nicht und ich zerfloss bereits und atmetete sichtlich schwer. Und doch, ich wusste nicht, ob es richtig ist, dies hier zu tun.

Er legte seine Hand in meinen Nacken, streichelte meine Haare. Ich wurde geiler und geiler.

Er hielt an, er schaute mich an, zwang mich, ihn anzusehen. Und nein, es kribbelte nicht. Oder doch? Ich weiß es nicht. Vielleicht doch. Und da war sie. Die Hand auf meinem Mund. Die mir den Atem nahm. Ich schloss die Augen und genoss. Genoss die Ruhe, die es mir gibt keine Luft zu bekommen. Die Sicherheit, die es mir gibt, wenn mir Jemand so nah ist und sich ganz auf mich einlassen muss. Mich ganz genau beobachten muss. Alle Macht über mich hat.

Wir fuhren weiter.

Im Büro angekommen (mein Büro hat ja ein SM-Zimmer und ein hübsches Sofa und so), schloss ich ihm den Spielschrank auf, holte mir einen Wein aus dem Kühlschrank und wanderte zu einem Event unter meinem Büro. Es war angenehm die Menschen zu sehen, die nur alle sechs Monate in dem Cafe unter meinem Büro auftreten und mit denen ich irgendwie einen Draht habe. Normalerweise moderiere ich diese Veranstaltung, das ging ja heute nicht. Aber es war schön einen Moment dort zu sein. Wein zu trinken, Menschen zu begrüßen, zu flirten.

Zwischendurch war mein Wein alle, ich teilte es N per SMS mit und er wartete mit der Flasche Wein im Treppenhaus auf mich. Dabei konnte er ein Gespräch erhaschen zwischen einem Teilnehmer der Veranstaltung und mir. Sein Kommentar ein paar Minuten später “Du hast dein Gegenüber aber wirklich ganz schön im Griff”… ja, hatte ich tatsächlich. Es lief. Ich genoss es, angeflirtet zu werden und Männer in der Hand zu haben. Erst Recht, weil oben ein weiterer Mann auf mich wartete.

Bis zu dem Moment, in dem die SMS kam, dass er fertig sei mit dem Spielschrank. Ganz bewusst und irgendwie aufgeregt und doch ruhig ging ich die Treppe hoch, holte tief Luft und er öffnete mir die Tür. Ich schaute mir an, was er aus dem Spielschrank genommen hatte, legte einen Knebel weg, den ich nicht vertrage, nickte und er setzte mir Kopfhörer mit Adiemus auf und schon sah ich dank Augenbinde nichts mehr.

Er zog mich aus. Und ich wurde ruhiger… und in dem Moment in dem mich seine Hände berührten war ich auf Empfangsbereitschaft. Ich zerfloss, ich genoss, ich war hemmungslos, lüstern. Und als er mir kurze Zeit später den Atem nahm wurden meine Knie weich, mir wurde schwindelig, ich merkte, wie ich gleich wegdriften würde. Und ich genoss es einfach nur. Das erste Mal seit Monaten war da keine Angst, war da kein Gedanke bis auf “bitte, nicht aufhören!”. Es war einfach nur er und ich. Nein, da war nur ich mit ihm als Unterstützung an meiner Seite.

Und es tat mir unfassbar gut.
Es tat mir gut, dass er mir den Atem nahm, dass er mir wehtat, dass er meinen Arsch blau und grün schlug, dass er mich benutzte und dass er auf mir kam.*

Ich bat um eine Decke. Und dann saß ich da. Mit dem Glas Wein in der Hand, der Musik auf den Ohren, nach wie vor blind. Und genoss einfach nur den Moment. Das Gefühl nichts gedacht und ihn glücklich gemacht zu haben.
Und ich fühlte mich so gut wie seit Monaten nicht mehr. So entspannt wie seit Monaten nicht mehr.

Und das ausgerechnet mit N, dem Schwaben, den ich nicht wiedersehen wollte. Was es doch ausmachen kann, wenn man manche Dinge einfach ausstellt. In dem Fall die Dinge, die mir so wichtig sind. Die Stimme und die Augen.

Und es tat gut.
Ich habe ihn glücklich gemacht, er hat mich glücklich gemacht.
Und ich habe nichts dagegen, das Date zu wiederholen. Ohne sehen und hören.

Einfach nur er und ich.

X

*Und ich sag Euch, ich bin meschugge: Er schlägt mich, er benutzt mich, er tut mir weh… und ich berühe in einer kurzen Pause sanft seine Hand und frage ihn, ob es ihm gut geht und alles in Ordnung ist. Meschugge ;)